Digitale Beweise · Screenshots, Bildschirmfotos und Bildschirmaufnahmen

Ein Screenshot beweist nur, dass jemand ein Bild erstellt hat.

Ein Screenshot, ein Handyfoto vom Bildschirm oder eine Bildschirmaufnahme zeigt, was auf dem Bildschirm einer Person erschien. Er kann nicht zeigen, dass die Website diesen Inhalt je gesendet hat. Heute kann fast jeder eine perfekte Kopie jeder beliebigen Seite herstellen. Sobald die Gegenseite sagt „das ist gefälscht“, hat das Bild allein kaum noch Halt.

Drei Wege, wie ein Bildschirmbild lügt

Dafür braucht es keine besonderen Kenntnisse mehr. Wir beschreiben es, damit Sie das Risiko verstehen, nicht wie es geht.

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Die Seite im eigenen Browser ändern

Jeder Desktop-Browser hat eingebaute Entwicklerwerkzeuge, mit denen man vor dem Screenshot jeden Text, Namen, jedes Datum oder jeden Betrag auf einer Seite ändern kann. Das Ergebnis sieht genau aus wie die echte Website, denn es ist ihr echtes Design.

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Die Seite anderswo nachbauen

Mit dem eigenen Layout und den Stilen der Seite lässt sie sich pixelgenau auf einem anderen Server nachbauen und mit erfundenen Nachrichten füllen. Ein technikkundiger Bekannter, oder einfach ein KI-Assistent, den man um Hilfe bittet, erledigt das in Minuten.

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Von einer KI erzeugen lassen

Bildgeneratoren erzeugen aus einem Satz glaubwürdige Chats, Beiträge und Fotos. Weniger exakt als eine nachgebaute Seite, aber genug, um Zweifel zu säen.

Was Gerichte und Regelsetzer sagen

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Vereinigte Staaten

Der Bundesausschuss für Beweisregeln hat eine Regel für mutmaßliche Deepfakes entworfen und festgestellt, dass heute jeder mit wenig Aufwand einen erstellen kann. Sie ist noch nicht verabschiedet, und eine Umfrage von 2026 ergab, dass erst rund 2 % der Bundesrichter eine Deepfake-Rüge erlebt hatten. Die Richtung ist klar: Wird ein Bild glaubhaft angegriffen, muss, wer sich darauf stützt, mehr tun, um seine Echtheit zu beweisen.

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England und Wales

Offizielle Leitlinien für Richter warnen, dass KI-Werkzeuge zur Herstellung gefälschter Texte, Bilder und Videos genutzt werden. 2023 stellte ein Arbeitsgericht fest, dass WhatsApp-Screenshots absichtlich gefälscht worden waren, und behandelte die Beweise dieser Partei mit großem Misstrauen.

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Europäische Union

Der Deepfake-Bericht von Europol hält fest, dass Gerichte audiovisuellen Beweisen meist vertrauen, nennt die Fälschung elektronischer Beweise als kriminelle Nutzung der Technik und fordert eine klare Beweismittelkette für digitale Beweise.

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Die Quelle zählt

Schon 2011 hob das höchste Gericht von Maryland eine Verurteilung auf, weil Ausdrucke aus sozialen Netzwerken nicht authentifiziert waren, und verwies darauf, die Daten bei der Plattform selbst einzuholen. 2025 wies ein Gericht in Kalifornien eine Klage ab, nachdem sich Videos und Bilder in den Akten als KI-erzeugt erwiesen.

Wenn die Gegenseite sagt „das ist gefälscht“

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Schritt 1: Sie bringt ein Indiz für eine Fälschung

Nach dem US-Regelentwurf reicht eine bloße Behauptung nicht: Wer bestreitet, muss Beweise vorlegen, die eine Fälschung plausibel machen. Gegen einen selbst erstellten Screenshot ist das oft leicht: eine Unstimmigkeit, ein Zeitablauf, der nicht passt, oder ein Sachverständiger, der erklärt, wie einfach ein solches Bild herzustellen ist.

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Schritt 2: Sie müssen die Echtheit beweisen

Dann ist das Beweismittel nur zulässig, wenn, wer es vorlegt, zeigt, dass es eher echt als gefälscht ist. Mit einem Screenshot allein haben Sie nur Ihr eigenes Wort. Eine unabhängige Sicherung vom echten Server, von einem Dritten versiegelt, beantwortet diesen Schritt direkt.

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Status und Reichweite

Die Regel ist ein Entwurf, der ruht, während der Ausschuss prüft, wie oft Deepfakes vorkommen. Belgische und französische Gerichte haben keine solche Regel, würdigen Beweise aber frei, und auch dort verliert ein bestrittener Screenshot an Gewicht, wie die Rechtsprechung zeigt.

Nach dem Advisory Committee on Evidence Rules, Entwurf Rule 901(c), Bericht vom 1. Dezember 2025.

Ein Zeitstempel auf Ihrem eigenen Screenshot reicht nicht

Ein qualifizierter Zeitstempel auf einem selbst erstellten Screenshot beweist, dass die Bilddatei ab diesem Moment unverändert existierte. Ob die Website den Inhalt je gezeigt hat, sagt er nicht, denn das Bild stammt von Ihrem Gerät. Für eigene Fotos und Dokumente, etwa Schadensfotos oder einen Vertrag, ist das nützlich. Einen Screenshot der Website eines anderen macht es nicht vertrauenswürdig.

Was funktioniert: eine unabhängige Sicherung

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Von einem Dritten erstellt

Ein unabhängiger Anbieter lädt die Seite in seinem eigenen, sauberen Browser auf seinen eigenen Servern. Sie sind nicht die Quelle des Bildes, die Frage „haben Sie es bearbeitet?“ stellt sich also nicht.

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Direkt vom echten Server

Der verschlüsselte Netzwerkverkehr wird aufgezeichnet. Das Paket zeigt, welcher Server den Inhalt in diesem Moment über eine sichere Verbindung gesendet hat. Eine anderswo nachgebaute Kopie käme von einem anderen Server.

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Von Dritten versiegelt und datiert

Ein qualifiziertes elektronisches Siegel und ein qualifizierter Zeitstempel eines EU-Vertrauensdienstes fixieren Inhalt und Zeitpunkt. Jede spätere Änderung bricht das Siegel.

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Ohne den Anbieter prüfbar

Anwälte, Gerichtsvollzieher oder Sachverständige können das Paket mit Standardwerkzeugen prüfen. Die Feststellung durch einen Gerichtsvollzieher oder Notar ist der andere unabhängige Weg, zu 300 bis 700 €.

Gerichte lassen Screenshots weiterhin zu, besonders wenn niemand sie bestreitet; siehe unsere Rechtsprechungsübersicht (Englisch). Das Problem beginnt, wenn die Gegenseite sie bestreitet, und genau dann brauchen Sie den Beweis am dringendsten.

Quellen

Jedes Zitat unten wurde im Text der Quelle geprüft. Die Quellen sind auf Englisch.

  1. Advisory Committee on Evidence Rules (US Courts), report to the Standing Committee, 1 December 2025, committee note to draft Rule 901(c) · “any member of the public now has the capacity to make a deepfake, with little effort and expense”; draft rule text: “must present evidence sufficient to support a finding of such fabrication” … “only if the proponent demonstrates to the court that it is more likely than not authentic” · Quelle →
  2. Courts and Tribunals Judiciary (England and Wales), AI guidance for judicial office holders, 8 October 2025 · “AI tools are now being used to produce fake material, including text, images and video” · Quelle →
  3. Europol Innovation Lab, Facing reality? Law enforcement and the challenge of deepfakes, 2022 · “In court, audio-visual evidence is usually trusted to be an authentic representation of events” · Quelle →
  4. Griffin v. State, 419 Md. 343 (Maryland Court of Appeals, 2011) · “The potential for abuse and manipulation of a social networking site by someone other than its purported creator” · Quelle →
  5. Lehtonen and others v Hansbiomed Europe Ltd, Employment Tribunal London Central, 2200627/21, January 2023 · “not an authentic or contemporary string of messages” · Quelle →
  6. Mendones v. Cushman & Wakefield, Inc., No. 23CV028772 (California Superior Court, Alameda County, 9 September 2025), as reported by the Volokh Conspiracy · “products of GenAI” · Quelle →
  7. R. Pfefferkorn, “Deepfakes” in the Courtroom, 29 B.U. Public Interest Law Journal 245 (2020) · “Software for creating deepfake images, video, and audio is already freely available online and fairly easy to use” · Quelle →
  8. R. A. Delfino, Deepfakes on Trial, 74 Hastings Law Journal 293 (2023) · “deepfakes are invading the courts” · Quelle →
  9. M. R. Grossman, P. W. Grimm, D. G. Brown and M. Xu, The GPTJudge: Justice in a Generative AI World, 23 Duke Law & Technology Review 1 (2023) · Quelle →
  10. Advisory Committee on Evidence Rules, agenda book, 7 May 2026, Federal Judicial Center survey of federal judges · Quelle →

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